Freie Waldorfschule Cottbus

Fächerkanon

Die Fächer der einzelnen Klassenstufen sind dem nachfolgendem Fächerkanon zu entnehmen und darunter detailliert beschrieben. Auf den Unterseiten finden weitere Details zu den einzelnen Epochen

Klasse 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13
Formenzeichnen* x x x x                  
Deutsch* x x x x x x x x x x x x x
Englisch x x x x x x x x x x x x x
Russisch x x x x x x x x x x x x x
Mathematik* x x x x x x x x x x x x x
Geschichte*       x x x x x x x x x x
Geografie*       x x x x x x x x x x
Biologie*       x x x x x x x x x x
Chemie*             x x x x x x x
Physik*           x x x x x x x x
Kunst x x x x x x x x x x x x x
Kunstgeschichte                 x       x
Architektur                       x  
Musik x x x x x x x x x x x x x
Musikgeschichte                     x    
Orchester       x x x x x x x x x  
Eurythmie x x x x x x x x x x x x  
Poetik                   x      
Sport x x x x x x x x x x x x  
Politische Bildung                     x x  
Wirtschaftskunde                   x      
Handarbeiten x x x x x x x x x x x x  
Werken       x x x x x x x x x  
Technologie                 x        
Technische Darstellung                   x      
Darstellende Geometrie                 x   x x  
Landwirtschaftspraktikum                 x        
Elektronikpraktikum                   x      
Vermessungspraktikum                   x      
Sozialpraktikum                     x    
Betriebspraktikum                       x  
Mikroskopiepraktikum                     x    
Chemiepraktikum                     x    
Tanzkurs                   x      
Informatik                     x    
Gartenbau           x x x x x      
Klassenspiel               x       x  

*) Hauptunterricht

13. Klasse: Je nach Wahlprofil, 8 Fächer davon

Handarbeiten

Kopf, Herz und Hand des Menschen gleichberechtigt auszubilden ist erklärtes Ziel der Waldorfpädagogik. Die Handarbeit ist somit zusammen mit den anderen künstlerischen und handwerklichen Fächern nötige Ergänzung und Ausgleich zu aller intellektuellen Lerntätigkeit um Einseitigkeiten zu verhindern. Die Hände geschickt machen, das Arbeiten lernen, Sinnvolles schaffen ist Inhalt und Aufgabe des Handarbeitsunterrichtes. Dass durch feinmotorische Tätigkeiten der Hand mit ihren Wirkungen auf das Nervensystem auch die intellektuellen Vorgänge unterstützt werden, ist mittlerweile allgemein bekannt. Der Handarbeitsunterricht wird für alle Mädchen und Jungen der 1. bis 11. Klasse erteilt. Die Schüler lernen Stricken, Häkeln, Sticken, Nähen von Hand und mit der Maschine, Filzen, Knüpfen, Spinnen, Färben und Weben. Besonderer Wert wird auf die eigene künstlerische Gestaltung und eine harmonische Farbgebung der Gebrauchsgegenstände gelegt. 

Mathematik

Das Fach Rechnen/Mathematik wird mit jährlich meistens zwei Epochen zu je drei bis vier Wochen und ab Mittelstufe zusätzlich mit je zwei durchlaufenden Wochenstunden gelehrt. Es baut sich im Verlaufe der 12 Klassen in drei Stufen auf: Die ersten drei Jahre wird der Umgang mit den Zahlen und Formen als ein Kennenlernen von Wesen geübt, die miteinander in mannigfachen Beziehungen stehen. Sie bilden für sich selbst eine eigene Welt und stehen mit dem Inneren der jungen Menschen in einem intimen geistigen Verhältnis. Der Bezug zu Rhythmus und Bewegung spielt entsprechend der Altersstufe eine besondere Rolle. In den folgenden Jahren geht die Richtung der Entwicklung von innen nach außen. Die Zahlen werden als Architekten und Konstrukteure der äußeren Welt wieder entdeckt. „Das Buch der Natur ist in der Sprache der Mathematik geschrieben. “ (Galileo Galilei) Sachaufgaben aus vielfältigen Lebensbereichen helfen den Kindern, sich auf zukünftige Arbeiten vorzubereiten.

In der Oberstufe ab Klasse 9 erhält der innere Aspekt der Mathematik wieder eine neue Bedeutung. Der praktische Bezug in Sachaufgaben existiert gleichberechtigt neben der Tatsache, dass es sich bei dieser Wissenschaft im eigentlichen Sinne um eine reine Geisteswissenschaft handelt. Der „echte“ Mathematiker ist nämlich in der Lage, alle seine Betätigungen im eigenen Innenraum auszuüben. Diese Sichtweise kommt dem Individualisierungsprozess des Oberstufenschülers helfend entgegen. Auch die Ästhetik spielt eine wichtige Rolle: "Ich weiß, dass Zahlen wunderschön sind. Wenn sie es nicht sind, dann ist nichts schön. “ (Paul Erdös, Mathematiker)

Physik

Das Fach Physik wird von der 6. bis zur 12. Klasse meistens in je einer vierwöchigen Epoche gelehrt. In dem Moment, wo in den Schülern die Fragen nach den Grundlagen der physischen Existenz erwachen, tritt die Physik auf den Plan. Äußerlich gegebene Sachstände aus Natur und Technik werden aufgenommen und bewegt. Eine gedankliche Durchdringung wird versucht. Die Richtung unseres Physikunterrichtes ist dabei entsprechend der historischen Entwicklung vorrangig induktiv geprägt. Am Anfang steht die Beobachtung, die technische Einzelheit, das Experiment, die Versuchsreihe. Daraus werden Gedankenverbindungen, Hypothesen und Theorien entwickelt, nacherfunden.  Ein wichtiges Ziel ist dabei, dass die Schüler die spannungsvolle Entwicklung der momentan gültigen Theorien und ihre mannigfache Veränderung und Aufstockung z. T. auf den Trümmern der Vorläufer erfahren, mit dem motivierenden Ausblick, dass es auch künftig noch viel zu entdecken und zu entwickeln gibt.  Auch sollen unsere Schüler die inneren Funktionsprinzipien derjenigen Geräte und Gegenstände möglichst genau erfahren, mit denen sie beinahe täglich umgehen. Das schafft Lebenssicherheit.

Elektronik

Elektronik gibt es als vierwöchigen Kurs in der 10. Klasse im Nachmittagsbereich mit insgesamt 4 x 6 Stunden. Die Schüler werden heran geführt an die Symbolik zur Darstellung elektronischer Schaltungen. Sie erhalten einen Überblick über die wichtigsten diskreten Bauelemente und deren Funktion sowie über grundlegende Gesetze der Elektrophysik, sofern sie in diesem Bereich von besonderer Bedeutung sind. Hauptsächlich werden aber Schaltungen praktisch aufgebaut und in ihrer Funktion untersucht und besprochen. Der Elektronikkurs soll ein anfängliches Verständnis geben für eine Technik, die heute so durchgängig in unseren Alltag eingezogen ist. Er dient auch zur Vorbereitung der Lehrgänge Informatik und Elektrophysik, die in Klasse 11 gegeben werden.

Vermessungstechnik

Das Fach Vermessungstechnik wird als Praktikum in Klasse 10 gegeben, meistens in Form einer zweiwöchigen Fahrt der Gruppe ins Gelände. Einfache Unterkunft und eigene Versorgung geben ein spezielles Klima für diese Unternehmung. Eine Woche mit täglich 2 Stunden steht neben dem Mathematikunterricht für die fachliche Vorbereitung zur Verfügung. Die Schule ist mit entsprechenden Materialien und Geräten wie Theodoliten, Nivellieren und Fluchtstangen gut ausgerüstet, so dass regelmäßig eine richtige Messaufgabe in Angriff genommen werden kann.

Wir lernen unsere Arbeiten gewissenhaft planen, die Durchführung in kleinen Gruppen organisieren, die Ergebnisse protokollieren, verschiedenste Skalen ablesen, mit Zahlenkolonnen und Taschenrechner zielgerichtet umgehen und finden unsere Arbeit durch die Natur der Sache selbst am Ende bestätigt oder verworfen; schließlich müssen die Kartenteile der verschiedenen Messgruppen ja auch zusammenpassen. Die Sache selbst entscheidet über richtig oder falsch, ein heilsamer Prozess in einer Lebenszeit, wo man auf die eigene Meinung in ausgeweiteten Diskussionen großes Gewicht zu legen pflegt. Die Arbeiten helfen bei der Motivation für den weiteren Mathematikunterricht.

Informatik

Der Informatiklehrgang wurde an unserer Schule in Klasse 11 als sechswöchiger Kurs im Nachmittagsbereich mit 36 Stunden eingerichtet. Außerdem steht eine über das 11. Schuljahr durchlaufende Fachstunde zur Verfügung. Unsere Vorhaben im Praktikum: Einführung in die richtige Bedienung einer Tastatur (Schreibübungen mit allen 10 Fingern), Umgang mit einem Betriebssystem, Daten organisieren, Übungen in gängiger Software (Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, . . . ), Einblicke und erste eigene Erfahrungen auf dem Gebiet des Programmierens, Nutzung des Internets.

In den vorausgehenden Einzelstunden werden die theoretischen Grundlagen gelegt. Die Schüler sollen eine Vorstellung vom Aufbau und der Wirkungsweise digitaler Datenverarbeitung bekommen. Wieso kann ein Computer rechnen? Bald stellt sich heraus, dass über eine sinnreiche Erfindung, den Volladdierer, eigentlich nur Einsen und Nullen elektronisch kombiniert werden. Die gesamte Rechenkunst wird schon innerhalb der Mathematik zurückgeführt auf das einfache Addieren von Einsen und Nullen. Diese winzigen Additions- Schritte erfolgen so rasch, dass sie einen komplexen Rechengang in akzeptabler Zeitspanne nachbilden können, geführt durch ein in elektronischer Form auch binär gespeichertes Programm, einen festen Ablauf wie in einer Spieluhr mit Nockenwalze. Staunen über die Leistungen vorangehender Generationen wird geweckt und positive sowie negative Auswirkungen der historisch sehr jungen Entwicklung auf Mensch und Gesellschaft werden besprochen.

Der Zeitpunkt: An unserer Schule wurde der Informatikunterricht in der 11. Klasse angesiedelt. Verglichen mit anderen Schulen ist das relativ spät. Das hat verschiedene Gründe: Jugendliche in diesem Alter haben gute Voraussetzungen und reale Chancen die Unterrichtsinhalte auch zu begreifen: Die mathematischen Kenntnisse sind auf einem gewissen Niveau. Die Unterrichtsepoche Elektrophysik der 11. Klasse sollte dem Informatikkurs vorausgegangen sein, ebenso auch der 24-Stunden-Kurs in praktischer Elektronik, welcher bereits in Klasse 10 gehalten wurde. Die Schüler haben sich erfahrungsgemäß bereits in ihrer Freizeit ausgiebig mit der Technik vertraut gemacht. Der Prozess des Kennenlernens der Phänomene hat sich außerhalb des Unterrichtes abgespielt, mit Interesse, Motivation und Engagement, wenigstens bei einer gewissen Anzahl von Schülern. Dadurch sind die wichtigsten Fragen schon entstanden und die Unterrichtszeit zum Kennenlernen kann eingespart werden. Das bereits eigenständig erworbene Wissen beziehen wir in den Unterricht ein. Vorträge werden verteilt und gehalten. Die gegenseitige Unterstützung der Schüler beim Anwenden und Programmieren ist sehr ausgeprägt und hilfreich. Gelegentlich hat man regelrechte Assistenz- Lehrer zur Seite.

Kinder hingegen wollen wir in Zusammenarbeit mit unseren Eltern so lange wie möglich von Computern und anderen visuellen Medien fern halten. Die virtuelle, einäugig erfassbare menschengemachte Welt auf der Mattscheibe mit ihren (von irgendwem) frei erfundenen Gesetzen und Regeln ist zur Entwicklung eines gesunden Realitätsbewußtseins nicht geeignet. Jüngere Kinder sind noch zu unerfahren. Um die Bilder der virtuellen Welt einordnen zu können, sind direkte, reale Erfahrungen nötig, die mit allen Sinnen in der wirklichen Welt gemacht worden sind. Dieser Tatbestand bleibt dem Erwachsenen oft verborgen, weil er selbst natürlich über diese Erfahrungen verfügt.